“Yeah, yeah, I get it. I get it. Shit happens.”

Und sie haben es geschafft: Ladies and gentlemen, I present to you – the almost perfect episode of ‘The Walking Dead’. Wirklich, ich bin geschockt. Es gibt zwar noch ein oder zwei kleine Sachen, die für mich stören, aber dennoch: Das war klasse. Fangen wir an.

Die Episode beginnt wo wir letzte Woche aufgehört haben. Rick hackt Hershel das angebissene Bein ab und die Gefängnisinsassen schauen geschockt. Zurück in ihrem Zellentrakt angekommen, bemerken sie, dass die Insassen ihnen gefolgt sind. Nach einem kurzen Stand-Off wird den unwissenden Knastis die neue Welt erklärt: Keine Polizei, keine Zivilisation, keine Hoffnung auf Rettung. Doch mit ihrer Freiheit sind nicht nichts vertrauenswürdig geworden und sollen daher ihren eigenen Zellentrakt bekommen, Rick und Co. helfen sogar bei der Säuberung.

Die verläuft natürlich nicht so reibungslos wie erhofft und Big Tiny (hätte Tiny nicht gereicht? We get it, people!) wird gebissen. Tomas, ein impulsiver Typ lateinamerikanischer Abstammung, dessen Schauspieler scharf am Over-Acting kratzt, macht kurzen Prozess mit ihm und hackt seinen Kopf in Stücke. Rick und Daryl schauen sich an und wissen ganz genau: Der Typ ist eine Gefahr und muss weg. Als er später auch in einer riskanten Situation mit seiner Machete nach Rick schlägt und es so aussehen lassen will, als ob er einen Zombie treffen wollte, haut Rick ihm einfach eine Machete in den Kopf.

Tomas’ Freund Andrew läuft in einer netten Verbeugung vor dem Comic davon. Doch anders als im Comic läuft Rick ihm hinterher. Sie kommen an einen Hof voller Zombies und Rick schließt hinter ihm die Tür und überlässt ihn somit seinem Schicksal.

©AMC

Währenddessen versucht Carol Hershel zu stabilisieren. Kurzzeitig sieht es aus als ob dieser stirbt und Lori beginnt mit einer Mund-zu-Mund-Beatmung, die ihm zwar das Leben rettet, aber auch verrückt ist. Kein Witz. Die Frau beginnt ihre Lippen auf einen Mann zu pressen, der kurz davor steht ihr gleich ins Gesicht zu beißen. Unglaublich dumm. Doch Lori handelt nach ihrem besten Wissen, denn immerhin ist die einzige Frau, die Hershel ausgebildet hat ihn in irgendeiner Weise mal zu ersetzen, draußen an einer Zombieleiche am rumschnibbeln. Wegen Kaiserschnitt üben und so. Hat das nicht ein paar Stunden Zeit? Ich meine, Hershel liegt dort im Sterben und sie ist das einzige Gruppenmitglied, das ihm wirklich helfen kann. Unglaublich ärgerlich wie dumm die Charaktere wieder geschrieben werden. Während sie draußen an ihrem Zombie rumspielt wird sich auch noch von einer unbekannten Gestalt beobachtet. Irgendwas sagt mir, dass es nicht jemand aus Woodbury war.

Doch Hershel kommt durch (dank Carl, der mal alleine in die Klinik gelaufen ist, Medikamente fand und nur zwei Walker töten musste. No big deal. I love this kid) und die anderen zwei Gefangenen haben ihren eigenen Zellentrakt.

Rick ist endlich der Ärsche tretende Badass in dieser Folge, wie wir ihn aus dem Comic kennen. Er trifft harte, grausige Entscheidungen für das Wohlsein seiner Gruppe. Lange mussten wir darauf warten. Es gibt einen gewissen Soapanteil und auch die Reiberei zwischen Carl und Lori könnte nerven, doch es führt alles zu einem Punkt. Subtext. Charakterentwicklung. Etc. Solange das alles zu etwas führt, kann man da gut und gerne durch.

Doch all dies kommt so unerwartet, so radikal und schnell. Insbesondere die Kälte, die Rick Lori erweist, als diese ihr Herz öffnet und zugibt, was für eine schlechte Frau sie ist usw., überrascht. Rick entgegnet ihr nur ein “Wir sind dir alle dankbar”. Eine kurze Berührung an der Schulter. Das ist alles. Kalt und grausig. Diese Charaktere haben einiges durchgemacht über den Winter. Und das ist okay, denn sie sind inzwischen so, wie man sich das wünscht. Doch das gleicht alles eher einem minimalen Reboot (so nötig er war) als einer Charakterentwicklung, die im Comic so detaillert durchgekaut wurde.

Bei dem bisherigen Tempo der dritten Staffel wäre eine Flashback-Winterepisode gerne gesehen. Klar, man hat den Zeitsprung rein aus Produktionsgründen gemacht, denn ein Winter wäre Produktionshölle deluxe mit Sternchen, aber so eine kleine Episode wäre schon nett. Sonst haben wir der Prisonplot ja wirklich schon in der dritten Staffel durch und das wäre verdammt schade.

  • Ricks Charakterentwicklung hat in dieser Episode wirklich eine spannende Wendung genommen. Ich finde es toll, wenn die “Helden” in Serien auch mal unpopuläre Dinge machen. Lost wäre da auch so ein Beispiel. Eine Flashback-Episode wäre gut, das stimmt schon, aber ich glaube durch den zweiten Handlungsstrang in Woodbury, der letzte Woche eingeleitet wurde, kommt da schon genug Abwechslung rein.

  • Sascha

    “Wendung” ist der richtige Ausdruck. Doch Ricks Weg im Comic ist mehr ein tiefer Fall, ähnlich dem von Walter White in Breaking Bad. Ein Mann, der sich in den Konsequenzen und moralischen Fragen seiner Handlungen nach und nach selbst verliert. Die Entwicklung fehlt mir hier halt.

    Aber ich will mich nicht beschweren. Rick ist da und das ist gut. Jetzt muss man nur noch den Schauspieler wechseln.