‘Der Diktator’ Review

25 May, 2012 · Sascha · Film,Review

Vereinigte Staaten, 2012
Regie: Larry Charles
Drehbuch: Sacha Baron Cohen, Alec Berg, David Mandel, Jeff Schaffer
Darsteller: Sacha Baron Cohen, Anna Faris, Ben Kingsley, John C. Reilly
Länge: 83 Minuten
FSK: 12
Rating: ★★★½☆

Admiral General Aladeen herrscht im rohstoffreichen Nordafrika-Staat Wadiya in einer der letzten Diktaturen der Welt. Er bastelt an einer Atombombe und lebt ein ziemlich einsames Leben voller Exekutionen und gefühllosem Sex mit eingeflogenen Prominenten. Als die UN militärische Schritte gegen Aladeens Regime beschließt, ist die letzte Rettung eine Rede vor der UN-Vollversammlung und eine Bekennung zur Demokratie. In New York angekommen, wird er Opfer eines Putsches, der einen Doppelgänger einsetzt um so den Weg für vorgeschobene Demokratie und Ölkartelle zu bereiten. Fortan muss er sich als Unbekannter durch die Straßen Brooklyns wieder an die Macht kämpfen.

‘Der Diktator’ ist die nun mehr vierte, eigens erschaffene Kunstfigur Sacha Baron Cohens, die es auf die große Leinwand schafft und außerdem die dritte Zusammenarbeit mit Regisseur Larry Charles (‘Religulous’). Und das sieht man. Cohens Aladeen und der Film wissen zwar immer noch sehr zu unterhalten, aber inzwischen fehlt ihm der frische Charme eines Hinterwäldlers, eines missverstandenen Schwulen oder eines Dorfgangsters. Das rührt daher, dass ‘Der Diktator’ ein reiner Film ist, mit einem richtigen Drehbuch, richtigen Schauspielern und allem drum und dran und Cohen mit seinen Figuren nicht in Interviews geht oder Reaktionen auf der Straße einfängt, die ‘Borat’ zum lustigsten Film des vergangenen Jahrzehnts machten.

Cohen und seine Co-Autoren haben daher leider den Bogen etwas überspannt. Die Witze sind teilweise derbst politically incorrect, manchmal funktionieren sie perfekt, manchmal gar nicht, aber stets ohne Sinn und nur der Provokation dienend. Hat er das wirklich gesagt? Lustige Wortspiele werden überspannt, zu oft gebraucht und der Pipi-Kaka-Humor darf natürlich auch nicht fehlen, auch wenn er sich im Vergleich zu anderen Filmen sehr in Grenzen hält. Das ist schade, denn ‘Der Diktator’ hätte genug politische Aktualität, Brisanz und Reibungsfläche gehabt um die Komödie des Jahres zu werden. Der Film weiß zwar immer noch sehr zu unterhalten, insbesondere in seinen grandiosen ersten 15 Minuten, verfällt dann aber im zweiten Akt in eine Geschichte, in der sich Cohen in einer Masse an Celebrity-Cameos, Liebesgeschichten und unterentwickelten Charakteren verliert.

Sein Schlussplädoyer, das an Chaplins Rede in ‘Der große Diktator’ erinnert und die USA als Quasi-Diktatur darstellt, ist herrlich pikant. Cohen schwört zwar, er hätte Chaplins Meisterwerk nicht gesehen um sich nicht für seine Rolle inspirieren zu lassen, doch das ist nach der Schlussszene schwer zu glauben. Daher ist es umso bedauernswerter, dass er sich nicht doch mehr am “großen” Diktator orientiert hat und sich im kompletten zweiten Akt des Films eher an Stereotypen abarbeitet, statt wirklich etwas zu sagen. Wie Tarkovsky schon wusste: Wir schauen nur, aber wir sehen nicht.