‘Jonas’ Review

12 Jan, 2012 · Sascha · Film,Review

Deutschland 2011
Regie: Robert Wilde
Drehbuch: Christian Ulmen, Johannes Boss
Darsteller: Christian Ulmen
Länge: 106 Minuten
FSK: Meine Empfehlung: 18+
Start: 5. Januar 2012

Stell dir vor es ist Schule und du musst wieder hin. Nicht umsonst habe ich bei der FSK meine Empfehlung auf 18+ gesetzt, denn: Spaß haben, wird an diesem Ulmen-Klamauk nur derjenige, der nicht mehr in der Schule ist. Die Tagline spricht keinen Schüler an, sondern Absolventen und Menschen, die Schule lange hinter sich haben und mit einem nostalgischen oder ängstlichen Blick zurückblicken.

Jonas ist 18 und schon mehrmals sitzen geblieben, aber der Realschulabschluss muss sein. Deshalb geht er wieder an die Gesamtschule, um eine 4-wöchige Gnadensphase zu absolvieren, an deren Ende über sein weiteres Schicksal entschieden wird. Doch niemand weiß, dass Jonas in Wahrheit Christan Ulmen ist, der in dieser Rolle erneut sein Wandlungs-, Schauspiel- und Improvisationstalent beweisen darf, das man neben ganz wenigen Größen in Deutschland wie Kalkofe oder Helge Schneider, der auch einen 1A Song zum Film beisteuert, in Deutschland schmerzlich vermisst.

Der erste Eindruck raubt einem nahezu den Atem, wenn man bedenkt, wie Ulmen sonst aussieht und vor allem wie alt er in Wahrheit ist. Die Crew von ‘Jonas’ hat es geschafft, das Aussehen eines 36-jährigen Mannes glaubhaft zu halbieren. Christian Ulmens Semantik und Aussehen ist die eines aufrichtigen und herzerwärmenden Slackers. Das alleine rückt Jonas schon in eine realistische Position. Dass alle Situationen im Schulalltag gefilmt wurden und durch und durch echt sind, tun ihr Übrigens zur Atmosphäre.

Genau wie Jonas verfängt man sich als Zuschauer wieder in den Ängsten und der Unsicherheit des Schulalltags, der in seiner martialischen Realität dargestellt wird. Da sinniert der Chemielehrer über die Zukunft der Gesellschaft basierend auf einem schlechten Resultat eines Tests und hier diskutieren sich schlecht behandelt fühlende Schüler lautstark mit der Lehrerin. Über größere Teile des Films nimmt sich Ulmen ganz zurück und der Film durchdringt seinen semi-dokumentaren Stil um ein volles, ehrliches Dokumentarbild der Schule zu geben.

Ulmen darf hingegen in einzelnen Momenten und Interaktionen brillieren, während der Plot um die Schulband dem Haufen von Momentaufnahmen einen roten Faden verleiht. Ob Ulmen als Jonas seine Liebe der Musiklehrerin im Klassenzimmer bei Kerzenschein gesteht, er mit dem Schulleiter über seinen Abschluss feilschen und ihn später bestechen will oder vom Mathelehrer an der Tafel blamiert wird, Ulmens Jonas ist stets sympathisch, lustig und vor allem ehrlich.

Und das hebt ‘Jonas’ über die Summe seiner Teile hinaus. Ja, Schule kann angsteinflößend und schwer sein, verunsichern und orientierungslos machen. Aber am Ende bietet die Schule auch die einmalige Möglichkeit um schöne Erfahrungen zu sammeln, die man sein Leben lang behält und an die man gerne zurückdenkt. Es ist genau dieses Bild der Schule, das einen mit einem positiven Gefühl aus dem Kino gehen lässt.

8/10

  • Ah! Den wollte ich im September am Zürich Film Festival sehen, habs aber verpasst. Klingt wirklich cool. Und ich glaube, ich bin auch schon lange genug die Schule los, um den zu mögen. ;)

  • reeft

    Wenn man Ulmen mag, is das sowieso was für alle Altersklassen ;)