‘Real Steel’ Review

15 Nov, 2011 · Sascha · Film,Review

USA, Indien 2011
Regie: Shawn Levy
Drehbuch: John Gatins
Darsteller: Hugh Jackman, Evangeline Lilly, Dakota Goyo, Kevin Durand & Anthony Mackie
Länge: 127 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Start: 3. November 2011

Obwohl ‘Real Steel’ nach allen Regeln der Kunst ‘Rocky’ und ähnlichen Vorgängern folgt, ohne dabei selbst originell zu sein, kann ich trotz coolen Momente und einer Menge Spaß im letzten Drittel, dem Film nicht viel abgewinnen. Das beginnt schon kurz nach dem eher stimmungsvollen und passenden Opening, als Hugh Jackmans Roboter gegen einen Stier kämpft. Was erst letztes Jahr, nach Jahrhunderten der Tierquälerei, in Katalonien endlich verboten wurde, ist wohl im Bible Belt in 10 Jahren Alltag.

Aber man sollte der Geschichte Zeit geben, denn in der Mitte des zweiten Aktes haben weitere Impulse ein realitätsnahes und abschreckendes Amerika 2020 gezeichnet. In bankrott gegangen Zoos haben sich Gangs eingenistet, die illegale Kämpfe mit Robotern veranstalten, ganz dem großen Vorbild, der Robot Boxing League, nachempfunden. Laut Jackmans Charlie, einem ehemaligen Profiboxer, wollte die Gesellschaft immer mehr Blut und rohere Kämpfe sehen, bis man irgendwann ganz auf Roboter umstieg – ein perfektes Metallgemetzel bis zum Versagen des letzten Stromkreises.

Diese unterschwellige Thematik wird aber nur dieses eine Mal angesprochen und ansonsten nur sporadisch visuell aufgegriffen und vom Zuschauer gefunden, wenn er denn danach sucht. Was er natürlich nicht tut, denn das Zielpublikum ist jung und will Roboter kämpfen sehen. Davon gibt es natürlich eine Menge und das ist stets gut choreographiert und toll inszeniert, da ist der Film dem visuellen Jumpcut-Müllberg namens Transformers um Längen voraus. Aber das war’s dann auch schon an guten Impulsen.

Dafür gibt es einiges an negativen Aspekten. Der Fokus auf das Geld und der gesamte Plot um Kevin Durands Charakter hätten – insbesondere da dies ein Film ist, der auf Kinder abzielt – dramatisch heruntergespielt bzw.

weggelassen werden müssen. Weiterhin erzählt der Film die falsche Geschichte. Der Junge findet den Roboter und hat einige nette Momente mit ihm, die andeuten, dass unter der Hülle mehr abgeht als ein paar Prozesse. All dies wird komplett liegen gelassen, damit Jackmans Charakter gegen Ende seinem Sohn mit Schattenboxen helfen kann zu gewinnen.

Stattdessen hätte der Film aber bereits damit beginnen müssen, Jackmans Charlie nicht als kompletten Arsch zu charakterisieren. Charlie kämpft gegen Bullen, interessiert sich NULL(!) für sein Kind, verkauft es auch noch und ist nur auf Geld aus. Das ändert sich erst – und dann auch nur minimalst – als Atom, der Roboter des Jungen, Erfolg hat und Geld einspielt. Durch Jackmans Hilfe wird der Roboter besser. Nie wird die Beziehung zwischen Charlie und seinem Sohn vertieft, alles bleibt beim alten – bis auf den Erfolg der Roboter.

Hier hätte eine archetypische Mythenkreation mit einem klassischen Helden wesentlich besser funktioniert. Charlie ist am Boden und hat kein Glück. Trotz seiner finanziell schlechten Situation nimmt er seinen Jungen auf, der dann den Roboter findet. Zusammen arbeiten sie, um den Roboter zu verfeinern und zu trainieren und wachsen dadurch stärker zusammen. Am Ende darf ruhig das klischeebehaftete “Dad” statt “Charlie” fallen, das man im Film irgendwie vermisste. Als Atoms Steuerung zum Schluss defekt ist, übernimmt er selbst und das Produkt ihrer Vater-Sohn-Beziehung überkommt den Bösen. Das ist zwar jetzt nicht all zu weit vom eigentlichen Film entfernt; dennoch hätten diese wenigen Nuancen und Impulse einen wesentlich besseren Film abgegeben.

Alles in allen ist Shawn Levys ‘Real Steel’ einer dieser Filme nach denen man nach Hause geht und Roboter bauen will – wenn man 8 Jahre alt ist. Die Problematik erschließt sich aber eben nicht nur dadurch, dass ich inzwischen dreimal so alt bin, sondern dass der Film auch kein wirklich guter Kinderfilm ist und eben die falsche Geschichte erzählt.

6/10

  • Ach, was laabaschtu ;)