Originaltitel: Rise of the Planet of the Apes, USA 2011
Regie: Rupert Wyatt
Drehbuch: Rick Jaffa, Amanda Silver
Darsteller: Andy Serkis, James Franco, John Lithgow, Freida Pinto
Produktion: 20th Century Fox, Chernin Productions
Verleih: 20th Century Fox
Länge: 105 Minuten
FSK: 12 Jahre
Start: 11. August 2011

Diese Review enthält Spoiler zu ‘Planet der Affen’ (1968)

‘Planet der Affen: Prevolution’ ist eigentlich ein Film, den niemand braucht. Es wird sich kaum jemand mit ein bisschen Interesse an Film finden, der das legendäre “It was Earth all along”-Ende mit Charlton Heston aus dem originalen ‘Planeten der Affen’ nicht kennt. Ein Prequel sollte eigentlich langweilig und unnötig sein, da jeder, der sich für diesen Film interessiert, bereits weiß – und das auch dank des Titels -, wie dieser Film endet und worum es geht. Daher ist es den Drehbuchautoren Rick Jaffa und Amanda Silver und insbesondere Regisseur Ruper Wyatt zu verdanken, dass ‘Planet der Affen: Prevolution’ keineswegs unnötig ist, sondern seine eigene Geschichte erzählt und vor allem eins ist: spannend.

Will (James Franco) ist ein junger Forscher, der versucht ein Heilmittel für Alzheimer zu finden um vielen Menschen, aber vor allem auch seinem an Alzheimer leidenden Vater (John Lithgow), zu helfen. Seine Mittel testet er an Menschenaffen, bis einer von ihnen durchdreht, dasProgramm abgeschaltet wird und alle Affen eingeschläfert werden. Als Will und sein Mitarbeiter unerwartet ein Baby in einem Käfig entdecken, nimmt Will es mit nach Hause, entschließt sich es Caesar zu nennen und ihn im Geheimen groß zu ziehen. Caesar wächst schnell und nach 8 Jahren ist Caesar der schlauste Affe der Welt, die aber nichts von ihm weiß – bis zu einem Vorfall, nach welchem er in ein Heim muss, wo er und alle anderen Affen schlecht behandelt werden und feststellen muss, dass nicht alle Menschen so gut sind wie sein Ziehvater Will.

Der Segen des Films ist seine stringent erzählte Geschichte, die genau so lange ist wie sie sein muss. Der Film hat einen bewussten Fokus auf Caesar, der sich am Ende auszahlt. Oft hat das Drehbuch die Chance  zum Comic Relief abzubiegen oder sich ein wenig von seiner romantischen Seite zu zeigen, zum Beispiel als James Francos Will die Tierärztin (Frieda Pinto) kennenlernt; das Buch entscheidet sich aber strikt dagegen. Es bleibt bei Caesar und springt 5 Jahre in die Zukunft. Denn das ist seine Geschichte und sein Film. Dies ist der größte Vorteil des Films, aber vielleicht auch im Gesamtgeschehen sein größter Fehler. Bereits bei den Trailern fragte ich mich, wie diese paar Affen die Welt erobern können. Da der Film ab der zweiten Hälfte stets bei Caesar bleib und Caesar gar nicht die Welt erobern will, sondern lediglich in Freiheit, abseits der Menschen, leben will, ist das alles kein Problem. Dafür gibt es einen netten Twist, der je nach Geschmack zu spät oder genau passend kommt.

Es ist immer wieder ein Kompliment, wenn man es schafft, dass der Zuschauer nicht für die Menschheit fiebert. Dass man das nicht einmal mit blauen Katzen inklusive Disney-Augen unbedingt immer schaffen kann, bewies James Cameron vor erst zwei Jahren mit ‘Avatar’. Dass aber ‘Planet der Affen’ es hier schafft, dass man als Zuschauer in der finalen Szene für die Affen hofft, ist nicht nur dem äußerst menschlichen Vater-Sohn-Plots zwischen Caesar und Will zu verdanken, sondern auch dem CGI aus WETAs Digitalschmiede. An gewissen Stellen, besonders in Wide Shots, merkt man dem Film sein limitiertes Budget an, jedoch sind Close-Ups und jegliche Szenen mit Caesar immer fantastisch und man vergisst nach einer kurzen Zeit die unglaublich gute Arbeit von Andy Serkis und WETA und nimmt Caesar einfach als lebenden Charakter mit Wünschen, Eigenschaften und Gedanken an. Die besten Szenen sind sogar diejenigen, in denen nur die Affen miteinander agieren und komplett ohne Dialog funktionieren. Das reduziert die menschlichen Charaktere zu Archetypen und insbesondere der von Tom Felton gespielte Wärter kommt schlechter weg als so manche Karikatur.

Dennoch spielt das alles keine große Rolle mehr zu Beginn des dritten Aktes. Die Action und der Plot schreiten zu schnell voran. Es wird nie wirklich blutig und es sterben unerwartet wenig Menschen, wenn überhaupt weit entfernt und abseits des Bildschirms. Das könnte, basierend auf den krawallartigen und lauten Trailer, unerwartend kommen, macht jedoch zum Finale hin auf Grund der Story einfach Sinn. Ich persönlich hatte auch auf einen trotz der FSK 12 halbwegs brutalen dritten Akt gehofft; doch dann sitzt man reflektierend da und stellt fest, dass die tötenden Affen jetzt komplett den Ton des Films zerstören würden. Insbesondere der finale Kampf bietet wenig von dem erhofften Gemetzel, kommt dafür aber nahezu perfekt choreographiert daher und nutzt wie kaum ein anderer Sommerblockbuster sein finales Set Piece so originell und interessant.

‘Planet der Affen: Prevolution’ ist trotz seiner Prämisse und seinem lächerlichen Namen einer der Blockbusterfilme diesen Kinosommers – vielleicht des Jahres – die man gesehen haben sollte. Er erzählt eine spannende und immersive Story, die mit adäquater und gut getimeter Action aufwartet, die ordentlich choreographiert ist – im Gegensatz zu so vielen anderen Blockbustern in den letzten Jahren. Ob oder ob nicht eine neue Trilogie oder Filmreihe hiermit gestartet wurde, spielt für das Erlebnis keine Rolle. Caesars Geschichte ist menschlich und greifbar und bietet eine atmosphärische Dichte wie kaum ein anderer Film in diesem Sommer.

8/10