Up (2009) – Minimale Spoiler

Pixar liefert seit nun mehr 15 Jahren Meisterwerke ab, die junges und altes Publikum gleichermaßen begeistern. Ich hätte nicht gedacht, dass mein bisheriges Lieblingswerk „Wall-E“ jemals zu übertroffen werden kann von diesen Magiern der Unterhaltung. Doch einmal mehr hat Pixar es geschafft einen Film abzuliefern, der mehr als nur CGI State of the Art ist. Und das hätte ich echt nicht erwartet. Meine erste Reaktion auf das Promoposter war eher zurückhaltend. Ein durch Balloons fliegendes Haus? Naja, die ersten Trailer und später dann Reviews habe ich nicht wirklich verfolgt – zu meiner Schande. Up ist nicht nur mein erster Film seit langem, den ich alleine gesehen habe (was sich als gut herausgestellt hat aufgrund von manly tears), sondern auch mein erster Film mit 3D-Technologie. Es stellt sich heraus, dass dies unnötig war, denn Up funktioniert auch ganz ohne diese Schnörkeleien, da der Film wieder einmal nicht die Augen oder den Verstand, sondern die Herzen der Zuschauer berührt.
Besonders beeindruckt hat mich die Ernsthaftigkeit mit der Pixar das Thema angegangen ist. Noch niemals zuvor hatte Pixar einen solchen dunklen, verzweifelten Charakter wie Carl Fredrikssen als Running-up. Der alte, verbitterte Witwer, dessen großer Wunsch es immer war mit seiner Frau nach Südamerika zu reisen und ihren gemeinsamen Kindheitstraum zu erfüllen, verletzt einen Arbeiter an der Stirn – Blut! So erwachsen und nüchtern war noch kein Film, besonders die ersten 10 Minuten stechen hierbei heraus. Nach mehreren Rückschlägen wie dem Verlieren eines Kindes während der Schwangerschaft und dem Tod seiner Frau, fragte ein Kind ein paar Sitze neben mir seine Mutter wieso denn Carl so traurig ist. Die Mutter hatte nicht geantwortet und kämpfte gerade selbst mit den Tränen – wie ich und wahrscheinlich jeder im Kino, der alt genug war das Carls Trauer zu verstehen.
Der Rest des Films, die Begegnung mit dem Pfadfinder Russel und die Reise nach Südamerika sind gut, aber stechen nicht heraus. Perfekt inszeniert, aber das ist man inzwischen von Pixar gewohnt. Letztens habe ich gelesen, dass Up durchaus als das Bambi dieser Kindergeneration gesehen werden kann (http://www.denofgeek.com/movies/331839/is_up_this_generations_bambi.html). Ob das stimmt, kann nicht ich oder jemand zum momentanen Zeitpunkt sondern nur die Zeit sagen. Dennoch, dass ein – und man muss sich das immer wieder ins Gedächtnis rufen – animierter Film jemanden zu nachdenklich und traurig zurücklässt, beeindruckt.

Fazit: Wunderbare visuelle Erfahrung mit einer echten Botschaft, nämlich, dass man nie zu alt ist um seine Träume zu erfüllen. Nicht bedingt originell? Falsch gedacht, das hier ist Pixar! Hallo?

10/10

Bridge to Terabithia (2006) – Starke Spoiler

Gäbe es einen Award für das schlechteste Marketing eines Films, Bridge to Terabithia hätte wahrscheinlich in jeder Kategorie gewonnen. Nur mal um Euch einen Eindruck zu geben, hier der Trailer:

So, jetzt erwartet man doch eine Art Fantasiewelt in der die zwei Kinder hinein geraten und dann dem Königreich helfen müssen gegen die Mächte der Finsternis, praktisch ein zweites Narnia. Nun, die Wahrheit könnte davon nicht weiter entfernt sein. In seinem Kern ist Bridge to Terabithia eine ernste, intelligente und traurige Geschichte um den Umgang mit dem Tod und der Ungerechtigkeit des Lebens.

Der Film bietet eine glaubwürdige Darbietung der Gefühlswelt von heranwachsenden Teenagern sowie der kindlichen Spielfreue und Vorstellungskraft. Diese ist es nämlich, die die Welt Terabithia entstehen lässt – vollkommen in den Köpfen der Kinder. Daher ist der Film auch als Empfehlung für die Welt der Büchern und der Kritik des Fernsehens/Films gewollt – welch Ironie, könnte man meinen. Doch ganz im Gegenteil, denn der Film ist irgendwas für Zwischendurch, sondern wird noch über einen längeren Zeitraum beschäftigen. Daher kann ich die Altersfreigabe, uneingeschränkt, nicht verstehen. Auf der einen Seite, klar, es gibt nichts was diese Entscheidung nicht rechtfertigen würde, aber ich würde kein Kind unter 10 Jahren mit in den Film holen.
Der Film beginnt mit dem Einzelseiter Jesse, der zwar schnell laufen kann und intelligent ist, aber nur von seiner Musiklehrerin richtig behandelt wird. Als er dann auch noch bei einem Schullauf gegen die seine neue Nachbarin Leslie verliert, stürzt für den von 3 Schwestern umgebenen Jungen die Welt total ein. Doch Leslie entpuppt sich schnell als echte Freundin und zusammen erkunden sie den Wald hinter ihren Häusern und kreieren die Welt namens „Terabithia“.
Doch diese ist komplett zweitrangig, denn zusammengenommen haben die CGI Kreaturen vielleicht eine Screentime von 5 Minuten und es dient nur zur Veranschaulichung, vor allem halt für jüngere Zuschauer, was Leslie und Jesse dort treiben. Ich wäre ohne durchaus auch ausgekommen, was den Film aber endgültig auf ein älteres Publikum zugeschnitten hätte. Denn der Film dreht sich gegen Ende und wird zu einem Drama, die Unschuldigkeit wird in Form des Todes Leslies durch einen Unfall am Fluss dem Film genommen. Jesse wird zurückgelassen, wieder als Einzelgänger und andere ehemals grimmige und eindimensionale Charaktere, die ihm sein Leben schwer gemacht haben, treten nun mit ihm in Dialog. Gerade aus diesem letzten Drittel zieht der Film extremes Potential und entwickelt sich zu einer Identifikations- und Lebenshilfe.

Fazit: Falsches Marketing für einen fantastischen Film mit dem man sich noch lange beschäftigen wird und der sich eigentlich an ein etwas älteres Publikum wendet. Durchaus eine Ähnlichkeit mit dem Film „My Girl“.

9/10